Forderungspapier

Was tun zur Verbesserung der Lage von trans*-Studierenden an der Uni?

Diskriminierungsverhältnisse finden sich in vielen Bereichen der Gesellschaft und sind auch in der Universität anzutreffen. Auch trans*-Menschen1, das heißt Menschen die sich nicht oder nur teilweise mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei ihrer Geburt zugeschrieben wurde, finden in der Uni Hürden vor, die ihren Alltag erschweren und eine Belastung darstellen können. Für betroffene Studierende können diese zu einem verzögerten Studienverlauf oder gar einem Studienabbruch führen. Einige dieser Hürden und Veränderungsmöglichkeiten sollen hier vorgestellt werden. Die Aufzählung ist hierbei nicht als Schritt-für-Schritt-Anleitung oder Hierarchisierung zu verstehen. Alle Punkte sind wichtig und brauchen Aufmerksamkeit. Ziel ist es, dass trans*-Menschen auch an der Uni Göttingen in Ruhe studieren (und arbeiten) können.

Anerkennung des eigenen Namens und der geschlechtlichen Anrede

Viele trans*-Menschen haben das Bedürfnis, mit einem anderen als dem zu ihrer Geburt festgelegten Namen und auch geschlechtlich anders angesprochen zu werden (d.h. Verwendung anderer Anrede und Pronomen). Eine Angleichung der amtlichen Unterlagen, also eine Namens- und Personenstandsänderung ist ein langwieriger und kostenintensiver Vorgang. Wenn eine trans*-Person sich also entscheiden hat, mit einem neuen Namen angesprochen zu werden, entsteht fast immer eine Situation, in der sie bereits im Alltag den neuen Namen und Anrede verwendet, die amtlichen Unterlagen aber noch nicht geändert sind.

Die Universität als Verwaltungsapparat arbeitet in den meisten ihrer Strukturen mit dem Namen und dem Geschlecht, die in der Studierendendatenbank erfasst sind, welche den amtlichen Namen der Personen als Grundlage nimmt. Dies betrifft auch die IT-Systeme wie den Studierendenaccount, das Stud.IP, die Emailadresse, FlexNow und den Aufdruck auf dem Studienausweis. Hierdurch wird es fast unmöglich den universitären Alltag zu durchlaufen, ohne dass der alte Name Dozierenden und Kommiliton_innen bekannt wird. Dadurch werden trans*-Studierende in eine Situation gebracht, in der sie unfreiwillig geoutet werden und darauf angewiesen sind, dass die anderen Personen sie weiterhin richtig ansprechen und respektieren. Auch auf den Wahllisten für Fachschaften, StuPa und Senat werden die Namen aus der Studierendendatenbank geführt, was bedeutet, dass trans*-Studierende es schwerer haben, sich in der politischen Mitbestimmung einzubringen.

Anträge auf Namensänderung in der Studierendendatenbank nimmt die Universität unserer Erfahrung nach derzeit nur nach einer gesetzlichen Namensänderung an. Jedoch wäre es durchaus möglich, dass die Universität für interne Zwecke wie die Kommunikation per Mail und im Stud.IP2 oder Prüfungsangelegenheiten den neuen Namen und geschlechtliche Anrede der Studierenden anerkennt – auch ohne gesetzliche Namensänderung. Für die unverwechselbare Identifizierung der Studierenden gibt es ohnehin die Matrikelnummer. Auch bei externen Zwecken wie dem Studienausweis und dem Zeugnis kommt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in einer Rechtseinschätzung zu dem Schluss, dass Hochschulen den neuen Namen verwenden dürfen.

Wir wollen: Namensänderung im Uni-Alltag möglich machen! Namen in der Studierendendatenbank auch vor einer amtlichen Namensänderung angleichen.

Sichere Toiletten und Umkleiden

Das Geschlecht einer Person wird im Alltag überwiegend am äußerlichen Erscheinungsbild festgemacht. Die Einordnung erfolgt hierbei durch andere Personen. Bei trans*-Menschen kann es passieren, dass die Fremdeinordnung nicht mit der Selbstidentifikation übereinstimmt. Dies fällt vor allem bei geschlechtergetrennten Räumen wie Toiletten und Umkleiden ins Gewicht, wo es passieren kann, dass trans*-Personen von anderen Nutzer_innen angestarrt, ihr Aussehen kommentiert oder sie gar des Raumes verwiesen werden. Für einige trans*-Nutzer_innen bedeutet das, dass sie solche Räume eher meiden und versuchen, ihren Uni-Alltag zu bestreiten ohne auf die Toilette zu gehen, z.B. indem sie weniger trinken. Auch das Sportangebot kann nur mit Einschränkungen wahrgenommen werden.

Um diese Situationen umgehen zu können braucht es die Möglichkeit, diese Räume ohne geschlechtliche Zuordnung nutzen zu können. Hierzu könnten einzelne Toiletten (mindestens eine Toilette pro Gebäude) als Unisex-Toiletten ausgewiesen werden. Am besten sollten auch immer Einzeltoiletten zur Verfügung stehen, wo die Nutzer_innen nicht anderen Nutzer_innen über den Weg laufen müssen.

Bei den Umkleiden sollte es sowohl die Möglichkeit geben, sich einzeln außerhalb der Männer- und Frauen-Umkleiden umzuziehen als auch in einer Sichtschutzkabine innerhalb der Männer- und Frauen-Umkleiden. Ersteres ist wichtig für trans*-Menschen, die von anderen oder sich selbst nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden und somit in beiden Umkleiden mit Diskriminierung zu rechnen haben. Letzteres ist wichtig für trans*-Menschen, die erst durch das Umziehen vor anderen oder durch das Aufsuchen einer extra-Kabine als trans* geoutet würden. Auch Einzelkabinen bei den Duschen sind erstrebenswert.

Wir wollen: Geschlechtsneutrale Optionen für Toiletten und Umkleiden. Sichtschutzkabinen in Umkleiden und Duschen.

Sensibilisierung und Fortbildung für Lehrende

Die Interaktion in den Seminaren und Vorlesungen macht einen Großteil des universitären Alltags aus. Die Lehrenden haben hier in ihrer leitenden Funktion einen größeren Einfluss auf die Geschehnisse in den Veranstaltungen und zudem eine Vorbild-Funktion für die Studierenden, während die Studierenden ein Stück weit von ihnen abhängig sind. Daher ist es wichtig, dass das Lehrpersonal für verschiedene Diskriminierungsverhältnisse wie u.a. trans*-Feindlichkeit sensibel ist und diese nicht durch ihr Handeln verstärkt. Beispielsweise besteht die Gefahr eines Outings durch Lehrende, da diese Zugriff auf die Namen der Teilnehmenden haben – und damit auch auf die amtlichen Namen, die viele trans*-Studierende nicht im Alltag führen. Zudem können Lehrende durch ihre Lehrinhalte trans*-feindliches Denken (z.B. Pathologisierung oder Exotisierung) weitertragen.

Um solchen Situationen vorzubeugen und eine trans*-freundliche Atmosphäre in den Veranstaltungen zu schaffen, braucht es Informationen in Form von Texten und Broschüren und Workshops für die Lehrenden, in denen sie sich mit dem Thema auseinandersetzen und dadurch ihre Lehre verbessern können. Zudem sollte die Universität als Wissen schaffende Institution auch eine inhaltliche Auseinandersetzung zu trans* in ihren verschiedenen Fachbereichen (wie z.B. Jura, Medizin, Psychologie, Sozial- und Kulturwissenschaften) führen.

Wir wollen: Weiterbildung für Lehrende um auf die Situation von trans*-Studierenden besser eingehen zu können.

Sensibilisierung und Fortbildung für Studierende und Verwaltung

Ebenso können sich auch andere Menschen an der Uni, wie Verwaltungsmitarbeiter_innen und andere Studierende diskriminierend gegenüber trans*-Menschen verhalten. Zum Beispiel durch ihre Reaktionen in Toiletten und Umkleiden oder durch Nicht-Anerkennung des Namens und der Anrede von trans*-Menschen.

Um für ein allgemeines trans*-freundliches Klima zu sorgen, ist daher Aufklärungsarbeit notwendig. Hierfür sollten Maßnahmen mit verschiedener Zugänglichkeit und Intensität zur Verfügung stehen, wie z.B. Plakate, Broschüren, Vorträge und Workshops. Plakate und Broschüren können viele Menschen erreichen und ein grundlegendes Bewusstsein schaffen. Vorträge und Workshops geben Menschen die Möglichkeit, sich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine eigene Haltung zu entwickeln.

Wir wollen: Trans*-Awareness und Respekt bei allen Menschen an der Uni fördern.

Beratung und Untersützung

Da trans*-Studierende in verschiedenen Bereichen der Uni auf Barrieren oder diskriminierendes Verhalten treffen können, braucht es Menschen an der Uni, die trans*-Menschen bei auftretenden Problemen individuell beraten und unterstützen, z.B. wenn sich ein_e Lehrende_r weigert, ihren richtigen Namen zu verwenden. Die Berater_in sollte sich mit den Bedürfnissen und Perspektiven von trans*-Studierenden auskennen. Hiefür könnte sich besonders ein peer-to-peer-Beratung eignen, sich mit den Bedürfnissen und Perspektiven von trans*-Studierenden auskennen.

Wir wollen: Beratungsangebote und individuelle Unterstützung für trans*-Menschen.

Umsetzung und Verankerung

An diesen verschiedenen Problematiken muss neben der individuellen Hilfe bei Problemen auch strukturell gearbeitet werden, da es nicht nur das individuelle Verhalten von Menschen ist, sondern auch Strukturen, die den Alltag von trans*-Menschen erschweren. Die oben erwähnten Maßnahmen müssen zudem koordiniert und durchgeführt werden. Es braucht eine sachkundige Person, die in den Uni-Strukturen arbeitet und die verschiedenen Akteur_innen in der Universität zusammenbringt und berät.

Wir wollen: Strukturelle Arbeit an der Verbesserung der Lage von trans*-Menschen an der Uni Göttingen.

 

Für alle diese Punkte muss die Universität Ressourcen bereit stellen, wenn sie das Ziel einer diversen und inklusiven Universität ernst nimmt und dafür sorgen will, dass die Studierenden in Ruhe studieren können.

 

 

1Trans* soll hier zu einfacheren Lesbarkeit als Oberbegriff verwendet werden, der verschiedene Gruppen umfasst, wie z.B. Transsexuelle, Transidente, Transgender, Crossdresser, weder*noch. Dabei benutzen nicht alle Individuen den Begriff trans* für sich selbst, können aber von den hier beschriebenen Problemen betroffen sein.

2Die Kommunikation im Stud.IP dient nicht nur einer one-way-Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden. Vielmehr wird das Stud.IP auch für die Kommunikation der Studierenden untereinander (z.B. im Forum) benutzt und teilweise sollen auch Seminarleistungen wie Textkommentare oder Sitzungsfragen dort für alle sichtbar gepostet werden. Dort aufgrund der Namensproblematik nicht mitwirken zu können bringt deshalb praktische Nachteile für den Studienalltag.